Was bringt Ihr Dach? Ermitteln Sie in zwei Minuten Ihren möglichen Ertrag.

Solarstrom: Im Freien

Photovoltaik auf der freien Fläche

Hanns-Stefan Finke 

·  Aktualisiert am 21. Juli

·  Lesedauer ca. 6 Min.

Freiland-PV an der Autobahn

eben der Autobahn, kurz hinter der Auffahrt, weicht das Grün zurück: Das Feld öffnet sich, und eine Technik, die auch heute noch wie aus einem Science-Fiction-Film entsprungen wirkt, begleitet kilometerlang die Fahrt. Reihe an Reihe stehen dort anthrazitfarbene Solarmodule, leicht geneigt, alle im selben Winkel zur Sonne hin gedreht, bis sie sich in der Ferne verlieren.

Ich schreibe seit fast zwanzig Jahren über Photovoltaik, aber immer noch überrascht mich der Anblick, als wäre die riesige, stumme Maschine auf dem Acker, die das Licht absorbiert und als Strom wiedergibt, von einem anderen Stern. Was sie ja gewissermaßen auch ist – ohne die Bell Laboratories in den 1950ern, das heraufdämmernde Satellitenzeitalter und dann Kennedys Raumfahrtprogramm wäre die Photovoltaik nie so weit gekommen.

Jetzt ist sie da. Wo vor ein paar Jahren Mais wuchs oder eine alte Kaserne verfiel, arbeitet heute in der Fläche ein Kraftwerk ohne Schornstein – lautlos, aber bienenfleißig. An einem klaren

Vormittag schickt es mehr Strom ins Netz, als ein ganzes Dorf in derselben Zeit verbraucht.

Im nächsten Ort, zwei Kreuzungen weiter, stehen drei Module im Garten eines Mietshauses. Sie liefern Strom für den Kühlschrank, den Router und die Kaffeemaschine der Familie dahinter – dieselbe Technik, nur auf kleineres Maß gebracht.

Auf dem nächsten Acker wieder stehen die Module so hoch über dem Boden, dass ein Traktor bequem darunter hindurchfährt. Zwischen den Pfosten wächst Feldfutter, Beerenobst oder Spargel. Dieselbe Fläche liefert nun zweierlei: die Ernte und den Strom.

So verschieden die drei Bilder sind – der Solarpark am Verkehrsweg, das Steckersolargerät am Geländer oder im Garten, die Agri-Photovoltaik über dem Feld –, sie eint dasselbe: Solarstrom entsteht längst nicht mehr nur auf dem eigenen Dach, sondern im Freien, auf Flächen, bei denen bis vor Kurzem an eine Technik aus dem Weltraum niemand auch nur hätte denken können.

I.Drei Wege jenseits des Dachs

2025 ging auf Freiflächen erstmals ungefähr so viel neue Photovoltaikleistung ans Netz wie auf allen Dächern Deutschlands zusammen.

Über mehr als zwei Dekaden hin war das Hausdach der selbstverständliche Ort für Solarstrom. Das hat sich geändert: Der Zubau im Freien hat den auf Dächern eingeholt.
Welcher der drei Wege infrage kommt, entscheidet die verfügbare Fläche – ein sonniger Platz am Haus, ein bewirtschafteter Acker oder Land für einen ganzen Solarpark? Die drei folgenden Ratgeber reichen vom steckbaren Kleingerät bis zur Anlage auf mehreren Hektar.

Solarpark

Photovoltaik auf freiem Feld: wie aus Acker- oder Konversionsflächen ein Kraftwerk wird – auch als Beteiligung ohne eigenes Land.

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Balkonkraftwerk

Der kleinste Einstieg: zwei Module, eine Steckdose, spürbar weniger Netzstrom – und längst nicht nur am Balkon.

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Agri-Photovoltaik

Ernte und Strom auf demselben Feld – Landwirtschaft und Module teilen sich die Fläche.

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Angrenzend: Wer über ein geeignetes Dach verfügt, beginnt meist mit einer Dachanlage (Lebenswelt Haus). Für kleine, netzunabhängige Anwendungen führt der Weg dagegen zu Garten-Solar (Alltag).

II.Wenn das Feld zum Kraftwerk wird

Wo Solarparks entstehen

Verkehrsränder

Streifen an Autobahn und Bahn

Parkplätze

Überdachte Groß- und Pendlerplätze

Lärmschutzwall

Wände und Wälle als Modulträger

Hafenflächen

Container- und Terminalflächen

Industriebrache

Aufgegebene Betriebsgelände

Deponie

Versiegelte Altlasten

Konversionsfläche

Ehem. Kaserne, Militärareal

Tagebau

Ausgekohlte Gruben

Halde

Abraum- und Bergehalden

Magerer Acker

Böden mit schwachem Ertrag

Ein Solarpark ist kein vergrößertes Hausdach, sondern ein eigenes Bauwerk in der Landschaft. Er entsteht dort, wo Fläche günstig und der nächste Netzanschluss nicht übermäßig weit ist: auf Randstreifen entlang von Autobahnen und Bahntrassen, auf ehemaligen Deponien, alten Militärgeländen und Tagebauflächen, zunehmend auch auf Ackerland in ertragsschwachen Lagen, das sich für den Anbau kaum lohnt. Ein sonniges Grundstück allein macht noch keinen Standort – erst das Zusammenspiel aus Planungsrecht, Naturschutz und einem erreichbaren Netzanschlusspunkt entscheidet, ob ein tragfähiges Projekt entsteht.

Errichtet werden solche Anlagen fast immer von Projektierern, nicht von Privatleuten; wer die Fläche besitzt, verpachtet sie meist über zwei bis drei Jahrzehnte. Ob und wo ein Solarpark überhaupt erbaut werden darf, entscheidet nicht der Betreiber allein: Größere Flächen brauchen einen Bebauungsplan, daneben wirken Genehmigungsbehörden, Netzbetreiber und Naturschutz mit. Ab einer bestimmten Größe wird die Vergütung zudem nicht mehr fest gezahlt, sondern in einem bundesweiten Bieterverfahren ermittelt – den Zuschlag bekommt, wer am günstigsten anbietet.

Zum Solarpark im Detail

III.Mitmachen ohne eigenes Land

Für einen Solarpark braucht es Fläche, Planung und einen Netzanschluss – aber nicht jeder, der sich beteiligt, muss selbst Land besitzen. Bürger-Solarparks eröffnen regionale Projekte für Privatpersonen – meist über eine Genossenschaft, eine direkte Beteiligung oder eine andere Form der Geldanlage.

Wie eng die Verbindung zum Projekt wirklich ist, unterscheidet sich stark: Manche Modelle geben den Beteiligten Mitspracherechte, andere allein einen finanziellen Anteil. Weil es sich um eine Kapitalanlage handelt, gehören vor einer Entscheidung nicht nur die in Aussicht gestellte Rendite auf den Tisch, sondern ebenso Laufzeit, Kosten, Rechte der Anleger und das Risiko eines Verlusts.

Zu den Beteiligungsmodellen

IV.Der kleinste Einstieg – und längst nicht nur am Balkon

Der geläufige Name führt in die Irre: Ein Balkonkraftwerk muss nicht am Geländer hängen. Genauer ist der Begriff Steckersolargerät – ein, zwei oder drei Module, ein kleiner Wechselrichter, ein Stecker in der Außensteckdose. Die Module können ebenso auf einer Terrasse, einem Garagendach oder einem sonnigen Platz im Garten stehen. Was sie erzeugen, fließt sofort ins Hausnetz und deckt die Grundlast, die ohnehin ständig läuft – Kühlschrank, Router, Geräte im Standby.
Unabhängig vom Netz macht Sie das nicht, aber es kann die Stromrechnung spürbar senken. Weil das Steckersolargerät in der Regel weder einen Handwerker noch einen Eingriff in die Elektrik verlangt, ist es für viele der erste eigene Schritt zur Solarenergie – gerade zur Miete, wo das Dach nicht zur Verfügung steht.

Seit dem Frühjahr 2024 sind die Regeln deutlich einfacher: Der Wechselrichter darf bis zu 800 Watt ins Hausnetz einspeisen, die Module dürfen zusammen bis zu 2.000 Watt leisten, und angemeldet wird die Anlage nur noch an einer Stelle – im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur. Die früher zusätzlich nötige Anmeldung beim Netzbetreiber entfällt. Wie viel eine solche Anlage am Ende einbringt, hängt vom Standort, von der Ausrichtung und vom eigenen Tagesverbrauch ab.

Ein Spezialfall der Photovoltaik außer Haus ist der Solarzaun, der besonders dann sinnvoll sein kann, wenn Dach oder Gartenfläche nicht zur Verfügung stehen. Seine senkrechten Module liefern vor allem morgens, abends und im Winter – wenn die Sonne niedrig steht – vergleichsweise günstig Strom.

Zum Balkonkraftwerk im Detail

Praxis-Tipp: Der Ertrag eines Steckersolargeräts steht und fällt mit der Ausrichtung. Zwei Module nach Süden liefern das meiste über Mittag; nach Osten oder Westen gedreht, verteilt sich der Strom über den Tag – oft der günstigere Fall, weil er dann anfällt, wenn zu Hause tatsächlich jemand Strom verbraucht.

V.Wenn der Traktor unter den Modulen weiterfährt

Zwischen dem großen Park und dem kleinen Steckergerät liegt eine dritte Idee, die einen alten Streit entschärft – den um die Fläche. Ein klassischer Solarpark belegt den Boden fast vollständig, hier steht die Stromerzeugung im Vordergrund. Eine reguläre landwirtschaftliche Nutzung ist zwischen den Modulreihen meist nicht mehr möglich.
Die Agri-Photovoltaik dagegen teilt sich die Fläche mit der Landwirtschaft: Die Module stehen entweder hoch aufgeständert über den Kulturen, sodass Pflanzen wachsen und Feldmaschinen arbeiten können, oder senkrecht in schmalen Reihen, zwischen denen der Acker weiter genutzt wird.

Für die Landwirtschaft kann das mehr sein als ein Kompromiss. Die Module spenden Schatten, senken die Verdunstung in trockenen Sommern und schützen empfindliche Kulturen wie Obst oder Beeren vor Hagel und praller Sonne. Damit die Fläche dabei Feld bleibt und nicht zum Kraftwerk mit ein bisschen Grün darunter wird, schreibt die einschlägige Norm vor, dass der landwirtschaftliche Ertrag mindestens zwei Drittel des üblichen Werts erreichen muss. Noch ist die Agri-Photovoltaik ein kleiner Teil des Ausbaus – aber ein schnell wachsender, weil sie die Frage „Acker oder Solar“ gar nicht erst stellt.

Zur Agri-Photovoltaik im Detail

VI.Wo sollten Sie ansetzen?

Welcher der Wege infrage kommt, entscheidet sich weniger an der Technik als an der Fläche, über die Sie verfügen – und an der Rolle, die Sie einnehmen: als Mieter, als Eigenheimbesitzer, als Eigentümer größerer Flächen oder als jemand, der sich ohne eigenes Land beteiligen möchte.

Ihre Ausgangslage Ansatzpunkt
Sonniger Platz auf Balkon, Terrasse, Garage oder im Garten Balkonkraftwerk – ein steckbares Kleinsystem für den eigenen Verbrauch.
Eigenes Dach vorhanden Dachanlage (Haus) – meist der ergiebigere Ort als jede Freifläche.
Größeres Grundstück, Wiese, Brache oder Acker ohne eigene Bewirtschaftung Solarpark – Standort, Planungsrecht und Netzanschluss prüfen.
Landwirtschaftliche Fläche, die weiter bewirtschaftet werden soll Agri-Photovoltaik – Ernte und Strom zugleich.
Kapital vorhanden, aber kein geeignetes Land Bürger-Solarpark – Beteiligungsformen, Rechte und Risiken vergleichen.

Zur Einordnung: Das ist eine erste Orientierung, keine individuelle Empfehlung. Maßgeblich sind Ihre Fläche, die Nähe zum Netz und – beim Solarpark – die Pläne Ihrer Gemeinde. Die belastbaren Zahlen stehen jeweils im verlinkten Ratgeber.

VII.Häufige Fragen


Muss ein Balkonkraftwerk an einem Balkon hängen?
Nein. Der genauere Begriff lautet Steckersolargerät. Die Module lassen sich ebenso auf einer Terrasse, einem Garagendach oder einer geeigneten Fläche im Garten aufstellen. Entscheidend sind ein sicherer Aufbau und die Verbindung mit dem Hausstromkreis. Mehr im Balkonkraftwerk-Ratgeber.

Muss ich ein Balkonkraftwerk anmelden?
Ja, aber nur an einer Stelle: im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur. Bis zu einer Wechselrichterleistung von 800 Watt ist die früher zusätzlich nötige Anmeldung beim Netzbetreiber seit dem Frühjahr 2024 entfallen. Wie das genau abläuft, steht im Balkonkraftwerk-Ratgeber.

Kann ich mein Feld weiter bewirtschaften, wenn dort Solarmodule stehen?
Ja – das ist der Kern der Agri-Photovoltaik. Bauweise und Abstände werden so gewählt, dass Ackerbau, Grünland oder Obstanbau darunter weitergehen. Die landwirtschaftliche Nutzung bleibt die Hauptsache, die Stromerzeugung kommt hinzu.

Wie groß muss eine Fläche für einen Solarpark sein?
Wirtschaftlich tragfähig wird ein Solarpark meist erst ab einigen Hektar zusammenhängender Fläche, und entscheidend ist die Nähe zu einem Netzanschluss. Die genauen Kriterien und was eine Verpachtung einbringt, klärt der Ratgeber.

Brauche ich eigenes Land für einen Bürger-Solarpark?
Nein. Ein Bürger-Solarpark richtet sich gerade an Menschen ohne eigene Fläche. Wie hoch die Mindestbeteiligung ist, welche Rechte damit verbunden sind und welche Risiken bestehen, hängt vom jeweiligen Modell ab und sollte vor einer Zusage geprüft werden.

VIII.Quellen & Hinweise

Hanns-Stefan Finke

Ich schreibe seit 2009 über Photovoltaik. Damals fing es als kleiner Online-Rechner an, heute sind es Hunderte Artikel, die monatlich von Tausenden Lesern abgerufen werden. Ich finanziere die Website durch die Vermittlung von Photovoltaik-Projekten – Anlagen verkaufe ich nicht selbst. So bleibe ich, was ich sein will: jemand, der die Sache unabhängig erklärt.

Mehr über den Autor

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